Stellt Euch folgendes vor:
Ihr seid HIV-positiv. Und kurz davor Geschlechtsverkehr zu haben. Euer Partner vergisst das Kondom. Was tut Ihr dann?
Es klingt wie einem von diesen „Such-dir-dein-eigenes-Ende-aus“-Abenteuerbüchern. Was ist der nächste Schritt? Für welchen Weg werdet Ihr Euch entscheiden?
Im echten Leben können Entscheidungen wie diese Euch ins Gefängnis bringen. Erst seit kurzem gibt es Gesetze das bewusste Verbreiten von HIV betreffend. Schwierige und noch nie dagewesene Fälle spielen plötzlich eine Rolle vor Gericht.
Die Gesetze variieren, aber manche sind ziemlich heftig und sehen irgendwie so aus:
Ungeschützter Sex + nicht sagen, dass man HIV hat = Gefängnis
Es scheint logisch. Wenn man nicht verrät, dass man HIV-positiv ist, kann das für den Partner lebensgefährlich (oder lebensverkürzend) sein. Also, warum sollte man nicht die Konsequenzen tragen?
Auf der anderen Seite – würde dieses Gesetz Menschen davon abhalten, sich überhaupt testen zu lassen? Die Argumente auf beiden Seiten sind vielschichtig und persönlich… Also haben wir #teamvoices gebeten, drüber zu reden…
Paul Medley, USA: Wenn man die Gesundheit von jemandem gefährdet, muss es Konsequenzen geben. Obwohl ich nicht glaube, dass strafrechtliche Verfolgung diese hypothetische HIV+-Person davon abhalten wird, jemanden anzustecken. Die Opfer sollten Gerechtigkeit bekommen. Wenn ich das Opfer in einer solchen Situation wäre, dann würde ich erst Ruhe finden, wenn ich wüsste, dass diese Person in Zukunft keine anderen mit dem Virus infizieren kann.
Kately Martens, Bulgarien: Ich denke es hängt absolut davon ab, ob der Partner fragt. Beide Seiten müssen von der sexuellen Vergangenheit des jeweils anderen wissen. Obwohl ich dafür bin, dass solche Informationen preisgegeben werden, denke ich nicht, dass eine Strafverfolgung sinnvoll ist. Außer, die Person wurde gefragt und hat wissentlich die Unwahrheit gesagt.
Tomek Fior, Poland: Jedes Mal, wenn jemand bewusst verletzt oder in Gefahr gebracht wird, muss man für die Konsequenzen geradestehen und auch haften. Ich meine, wenn man sogar McDonalds dafür verklagen kann, dass man sich am heißen Kaffee verbrennt…
James T Tynion, USA: Ich denke jeder Gesetzesentwurf, der geschrieben wird, muss diejenigen Personen ausnehmen, die unwissend jemanden angesteckt haben – also bevor sie selbst getestet wurden. Wenn aber jemand bewusst eine lebensbedrohliche Krankheit verbreitet und bewiesen werden kann, dass die Person von der eigenen Krankheit wusste, dann ist es in jedem Fall eine kriminelle Tat, die verurteilt werden muss.
Cassie Hoeprich, USA: Ich denke, wenn jemand HIV+ ist und mit jemandem Sex hat ohne zu verhüten oder dem anderen den eigenen Status zu verraten, hat der Partner das Recht denjenigen anzuklagen. Ich habe meinen Freund zu diesem Thema befragt und wir haben hin und her diskutiert. Ich dachte immer, wenn jemand HIV+ ist und verhütet, dann sei es eine moralische Frage, ob die Info mit dem Partner geteilt werden sollte oder nicht. Nun hat mein Freund mich aber daran erinnert, dass es keinen 100%igen Schutz gegen HIV gibt. Er hat es damit verglichen, jemandem in den Fuß zu schießen – wobei es wahrscheinlich ist, dass es nicht lebensbedrohlich ist, obwohl Komplikationen immer auftreten können. Natürlich ist diese Analogie nicht ganz Wasserdicht, aber sie bringt es auf den Punkt. Es gibt immer diese 1%ige Chance und genau die sollte zählen. Es wird natürlich kompliziert, wenn man darüber nachdenkt, dass man wohl kaum beweisen kann, dass man dem Partner vor dem Sex über den eigenen Zustand Bescheid gegeben hat…wenn dieser dann ebenfalls erkranken sollte und vor Gericht zieht, kann er das tun, auch wenn er sich des Risikos absolut bewusst war. Theorie beiseite, ich denke, dass eine Gesetzgebung zu mehr Offenheit im Zusammenhang mit Gesprächen über Sex und Geschlechtskrankheiten führen kann. Egal ob HIV-positiv oder nicht, über die eigene Gesundheit zu sprechen ist essentiell und auch wenn die Gespräche durch Angst vor Verfolgung zustande kommen, kann ein gesünderer und offenerer Umgang mit Sexualität gewährleistet werden.
Also, sollte man einen HIV-positiven Menschen strafrechtlich verfolgen, wenn dieser seinen gesundheitlichen Zustand nicht offenbart? Was würde es im Zusammenhang mit Stigmatisierung und der Wahrscheinlichkeit sich testen zu lassen bedeuten? Redet drüber und lasst uns wissen, was IHR denkt!

