Als ich 17 war, habe ich mich dazu entschieden, dass ich bereit sei, sie gehen zu lassen – und mit gehen lassen meine ich meiner Jungfräulichkeit auf nimmer wiedersehen sagen. Ich wollte einfach alles gemacht haben. Tatsache ist, dass ich die Schnauze voll davon hatte, eine Jungfrau zu sein. Ich habe mir einfach gedacht – bring’s hinter dich und hab Spaß. Meine Jungfräulichkeit begann sich über mich zu legen, wie eine schwere Daunenjacke in einem Sommer in Manhattan.
Ich sollte noch erwähnen, dass ich in dieser Zeit durch eine echt rebellische Phase in meinem Leben ging. Ich war sauer auf jeden, ganz besonders meine Eltern und ich fühlte mich allein. Ich war so schlimm drauf, dass meine Eltern mich aus dem Internat genommen haben, mitten im Schuljahr. Da war ich also. Wütend. Keine Freunde. Und ich saß zuhause fest.
Damit ich meine Schulaufgaben auf die Reihe kriegen würde, damit ich rechtzeitig zum Senior Year zur Schule zurückkehren konnte, fing ich an Nachhilfe zu nehmen. Meine Lehrerin, wir nennen sie nun einfach Mrs. Handle, wollte immer alles ganz genau wissen. Sie stichelte und bohrte, bis sie endlich die komplette Geschichte erfuhr, warum ich aus dem Internat genommen wurde. Ich wollte aber nichts erzahlen, also fing sie an, sich auf mein Liebesleben zu fokussieren. Schließlich erzählte sie von ihrem anderen Schüler, Devon.
Oh ja, ich kannte Devon, aber ich habe ihn nicht gesehen, seit die High Shool anfing. Ich hatte einmal ein Doppeldate mit ihm, als ich 13 war und er 12. Ich fand ihn immer ziemlich süß, mit seinen lässigen T-Shirts, seinem breiten Lächeln und seinem Rich-Kid-Sexappeal. Wir haben uns Mission Impossible in einem lokalen Kino angesehen – diese Art von Kino, in dem es nur einen Saal gibt und dementsprechend nur einen Film gezeigt wird. Wir haben uns ganz nach hinten unter die Ränge gesetzt. Er fragte mich, ob er meinen Lipgloss probieren dürfte und lehnte sich zu mir rüber. Dann ging er sehr schnell mit seinen Händen zwischen meine Beine und zeigte mir ein völlig neues Level von „Rummachen“. Es tat höllisch weh und ich hatte keine Ahnung was er da tat, aber ich war nie ein Mädchen, das „nein“ sagte.
Also ja, Mrs. Handle, ich wusste wer Devon war.
Wir haben wieder angefangen uns regelmäßig zu treffen. Er musste gerade eine Familientragödie um seinen großen Bruder durchstehen und ich hatte das Gefühl, Ablenkung täte ihm gut. Wir haben viel Zeit in seinem Zimmer abgehangen und gefummelt. Er wuchs in einer großen, verwinkelten Villa auf, die Gefahr erwischt zu werden war also verschwindend gering.
Ich habe meine Chance gewittert. Meine Art der Rache gegen meine Eltern. Wenn ich schon sonst nicht über mich bestimmen kann, dann kann ich wenigstens vögeln mit wem ich will. Und überhaupt – er hatte Erfahrung. Devon hatte auf jeden Fall schon Bekanntschaft mit einigen Mädels gemacht.
Also habe ich es erwähnt. Nein, ich habe es ihm versprochen.
„Lass uns nächstes Mal Sex haben.“
Sobald die Worte meinen Mund verlassen hatten, bereute ich sie auch schon. Ich meine ich habe mich praktisch hinreißen lassen, ohne drüber nachzudenken. Und er war nicht gerade davon enttäuscht, dass ich das magische Wort gesagt habe. Er war 16. Ich war genau das, was er sich erhofft hatte.
Da waren wir also an einem Mittwochabend und haben wie immer rumgemacht. Dieses Mal hat er mich aber auf sein Bett gezogen und ein Kondom aus seinem Nachttisch gekramt.
„Oh mein Gott, das ist es also“, dachte ich. „Ich bin noch nicht so weit. Ich bin nervös. Ich will das nicht tun. Warum habe ich das gesagt?“
Aber ich habe meine Zweifel nicht mit Devon geteilt. Es war ihm egal. Er hatte keine Bedenken. Er hat mich sogar oben sitzen lassen – eine Position, die ich aufgrund meiner Unerfahrenheit für total unfair hielt. Ich wusste nicht, was ich tat, oder wohin ich meine Hände tun sollte. Ich will nicht lügen. Es war seltsam, unbequem und ohne jegliche Leidenschaft.
Dann hat es an der Tür geklopft.
Bang, bang, bang.
Wir erstarrten.
„Liebling? Wollt ihr beiden einen Snack? Popkorn?“
Es war Devons Mutter.
„Nein Mama, alles gut.“
Im Ernst? Hat seine Mutter tatsächlich gerade an die Tür geklopft, während ich meine Jungfräulichkeit verlor?
Ja. Hat sie. Und danach war es auch sehr schnell vorbei. Er war fertig. Kondom runter. Ich zog mich an. Ich ging. Wir haben nie wieder gesprochen. Ich habe mich selbst davon überzeugt, dass es mir gut ginge. Ich habe mich meinem Herzen verschlossen und gedacht, dass ich von ihm weg muss.
Zurückblickend, viele Jahre später, bereue ich es nicht…wirklich, weil ich inzwischen entdeckt habe wie toll Sex sein kann, wenn man mit einer Person zusammen ist, die man liebt. Ich wünschte allerdings, ich hätte auf meine Zweifel gehört bei diesem ersten Mal. Damals hatte ich das Gefühl, nicht mehr zurück zu können, weil ich es mir in den Kopf gesetzt hatte. Weil Devon und ich keine Beziehung führten hätte ich mich unwohl gefühlt, ihm meine Sorgen mitzuteilen. Ernsthaft, es hat 10 Jahre gedauert, bis ich das tun konnte. Ich wünschte, ich hätte die Chance ergriffen über unsere gebrochenen Herzen zu reden. Ich wünschte, ich hätte nicht nur meine Ängste mit ihm teilen können, sondern auch nach seinen Fragen können. Ich wünschte, ich wäre stark genug gewesen, für mich selbst einzustehen. Ich wünschte, ich hätte „nein“ sagen können. Nein, nicht jetzt, nicht so. Ich bin noch nicht so weit, ich habe Angst.
Aber das habe ich nicht. Und so ist das Leben.

